Das EDC erklärt

Symbolfoto von Hybrid Storytellers auf Unsplash.

Mit meinem Beitrag zum Every Day Carriage eröffne ich die Themenreihe Urban Survival. Legen wir los..

Erstmal die Begriffsklärung: Was ist das Alltagsgepäck? Der Name gibt es vor. Das kann eine Tasche, vollgestopft mit allem möglichem Werkzeug, Messern, Lampen, Feuerstartern und Beatmungsbeuteln sein. Muss es aber nicht. Dein EDC kann auch dein Geldbeutel sein, bestückt mit einem kleinen Multitool. Hauptsache etwas, das du immer dabei hast und nützlich für dich ist. Nützlich für was? Dazu kommen wir später.

Lamentieren wir etwas

Insbesondere Verkäufer und anderweitig Profitorientierte bewerben gerne fertige EDC Eier legende Wollmilchsäue. Ultimativ taktisch und nötig für’s Überleben. Vollgestopft mit Werkzeug und Equipment zum ständig und sofort am Körper griffbereit haben. Aber brauchst du das wirklich?

Wie sieht das richtige EDC aus? Frag das nicht mich, frag dich selbst. Es geht hier um dein Alltagsgepäck! Das soll die Kernaussage dieses Beitrags sein.

Das wichtigste ist, dass du es die meiste Zeit bei dir hast. Quasi immer. Im Unterschied zum normalen Marschgepäck (das EDC hat seinen Ursprung im Militär), hat es der Soldat immer am Mann, wenn er seine Waffe dabei hat. Also immer. Auch wenn der Marschrucksack am Boden liegt. Zweck soll sein, auch bei einem Überraschungsangriff oder in einer Notsituation, in der der Rucksack zurückgelassen wird, immer noch die wichtigsten Basisdinge mitzuführen.

Dieser Beitrag stammt aber nicht aus dem Bereich Military Overlord, sondern Urban Survival. Also bleiben wir auf dem Boden, es soll dir als Normalsterblicher einen Mehrwert bieten. In der Stadt kann ein Feuerzeug nützlich sein, ein Magnesiumstarter ist dagegen eher Spielzeug. Dein Pack muss für dich, deine Umgebung und deine alltäglichen Situationen passen. Und es ist nicht statisch. Du kannst und solltest es auch für die sich täglich verändernden Situationen anpassen.

Beispiel gefällig

Machen wir es mal anhand eines Beispiels konkret: Woraus besteht mein EDC?

Mein EDC ist ein inzwischen zehn Jahre alter Deuter Rucksack. Wenn ich nicht gerade Schick für ein Bewerbungsgespräch angezogen bin, ist das mein Begleiter, wenn ich die Wohnung verlasse.

Begonnen habe ich mit fancy, cool, special und tactical. Wie auf YouTube eben. Im Resultat habe ich mir von Tasmanian Tiger sowohl deren Modular Belt Set, einem Innen- und Außengürtel mit Molle Schlaufen, als auch (natürlich) die passende EDC Pouch gekauft. Lange regelmäßig getragen habe ich das Set nicht. Jedenfalls nicht so lange, dass der Preis für den Nutzen gerechtfertigt wäre.

Mach dir vorher Gedanken, und stelle dir die Fragen

  • Hast du nicht bereits ein EDC, was sich aufpeppen lässt? Oder suchst du den Military Life Style?
  • Welche Situationen sind relevant und was benötigst du, um dieser Situationen Herr (oder Frau) zu werden? Was kann einen praktischen Mehrwert für dich?
  • Werde ich das auch wirklich immer tragen wollen und können? Auf Arbeit und danach mit Freunden unterwegs aufm Kiez?

Wenn du diese Fragen mit Ja beantwortest, bist du auf dem richtigen Weg.

Für mich war es leider nicht praktikabel, den ersten Impulsen zu folgen. Worin bestand nun mein Fehler? Es gab mehrere. Ich habe das Set online gekauft, nicht vorher probiert, angesehen und getragen. Irgendwann hat mich die Tasche vor allem genervt, weil sie zu hoch hängt und der Jacke in Konflikt kommt. Durch die Breite hatte ich außerdem Probleme beim Zugriff auf meine Hosentaschen, in denen ich weiterhin mein Handy trug. Weiter seitlich oder hinten tragen? Unpraktikabel, da sie nicht schnell abmachbar ist. Der schnelle Zugriff wäre also nicht mehr gewährleistet. Die Rückgabefrist war natürlich längst abgelaufen, als die rosarote Brille verschwand.

Ein Effekt der mit der Anschaffung auftrat: Ich packte die Tasche voll, mit mehr und weniger sinnvollen Dingen. Hatte ich die nervige Größe der Tasche erwähnt? Was ich nun weiß, die Tasche ist zu groß für den vorgesehenen Einsatzzweck. Hätte ich vorher entschieden, was rein soll, hätte ich die richtige Größe gewählt. Vielleicht würde ich sie noch immer regelmäßig am Körper tragen.

Der Tropfen, der die Tasche zum Überlaufen brachte, war die Auffälligkeit. Ich möchte, wenn ich unter Menschen bin, nicht auffallen. Das ist ein hoch subjektives Gefühl, welches du aber nicht ignorieren darfst. Ist es ein Störfaktor, trägst du dein EDC im Resultat ungerne und damit selten. Das Gegenteil zu dem, was ein EDC tun soll.

Praktischer Mehrwert

Rufen wir nochmal ins Gedächtnis, was wichtig ist: Die Reihenfolge, wie du an die Sache rangehst! Erstmal musst du analysieren und entscheiden, auf welche Situationen du vorbereitet sein willst. Damit weißt du mehr oder weniger automatisch, was du an Ausrüstung benötigst. Diese Kombination zählt. Dann suchst dir das dazu passende Behältnis.

In der Stadt habe ich kaum natürliche Gefahren. Erfrieren, Verhungern und Verdursten ist sehr unwahrscheinlich, solange eine anhaltende Katastrophe nicht die Infrastruktur schwer schädigt. Wird dieser Fall eintreten, benötige ich auch mehr als nur ein EDC. Aber das wird ein anderer Beitrag.

Die größte Gefahr stellt der Mensch dar. Von Autos und Fahrrädern über Infektionen bis hin zu betrunkenen und aggressiven Passanten. Mit diesen Gedanken im Hintergrund habe ich mein persönliches EDC gepackt:

Feuerzeug, Taschenlampe und Multitool

Das kleine Survival Ein-Mal-Eins. Was braucht der Mensch so sehr wie Feuer und Licht? Drahtschneider, Dosenöffner, Schraubenzieher, Zange und Zahnstocher!

Beatmungstuch, Einweghandschuhe und Handdesinfektionsmittel

Wir sind dankbar, wenn wir in einer Notsituation stecken und ein Fremder aus reiner Zivilcourage uns hilft. Wir sollten also mit gutem Beispiel voran gehen. Und mit den richtigen Hygieneartikeln fällt es uns leichter und schützen uns effektiv.

Taschentücher und Hunde-Kot-Beutel

Auch Kandidaten für Hygiene und Universelles. Hundekot-Beutel haben ein kleines Packmaß und können weitaus mehr halten und transportieren als Hundekot.

Stifte und Notizblock

Ich finde es praktisch und wichtig, sich jederzeit Notizen machen zu können. Zu schnell sind die Zahlen des Kennzeichens des Unfallflüchtigen im Kopf verdreht.

Medizinische Ersatzmaske im Kunststoffcase

Wer weiß, welches Jahr wir schreiben, wenn du diesen Beitrag liest. 2022 sind wir im zweiten Jahr der sogenannten Corona/Covid-19 Pandemie. Medizinische OP und FFP2 Masken verfolgen uns täglich. Ein Ersatz zu der sich in Gebrauch befindlichen sollte dabei sein.

Rettungsdecke

Als Städter habe ich nicht ständig eine Rettungsdecke dabei. Erwähnen möchte ich sie trotzdem, weil sie ein echter Lebensretter und multifunktional Einsatzbar ist. Das Packmaß ist klein und leicht. Es gibt fast keine Entschuldigung, sie nicht dabei zu haben.

Pfefferspray und Messer

Pfefferspray und Messer sind ein sehr sensibles Thema und verdienen einen eigenen Beitrag, welcher in naher Zukunft folgen wird. Aus diesem Grund werde ich hier keine großen Worte darüber verlieren. Es sei nur so viel gesagt, sowohl Messer als auch Pfefferspray trage Situationsbedingt bei mir und sind daher, aus der Sicht des EDC-Prinzips, nicht Teil meiner EDC.

Deine Lebenssituation zählt

Persönlich finde ich, meine Liste ergibt ein rundes Gesamtbild für jemanden, der in der Stadt lebt. Wie du dein EDC zusammenstellst ist dabei vollkommen dir überlassen. Ich will mit diesem Beitrag auch nicht sagen, dass nicht auch etwas Fancy und Cool dabei sein kann. Was ich möchte, ist dir ein gutes Gefühl vermitteln und ein wenig Transparenz schaffen, worauf du achten solltest.

Ich könnte jetzt anfangen, mir tausende Beispiele verschiedener Lebenssituationen zu überlegen und mit EDC-Leben zu füllen. Das werde ich aber nicht. Irgendwann ist auch mal gut. An dieser Stelle soll jetzt also deine Geschichte beginnen. Ich werde dir nur noch ein paar kreative Anreize mit auf den Weg geben.

Dein EDC kannst beispielsweise du mit Paracord, Karabinerhaken, Kerze und Kompass schmücken. Paracord und Karabiner gehören genauso zum Ein-Mal-Eins wie Taschenlampe und Feuerzeug. Sie sind multifunktional einsetzbar.

Bist du häufig draußen unterwegs, arbeitest als Förster oder mit dem Laptop in einer Waldhütte? Zunder und Magnsiumfeuerstarter können hier eine absolut sinnvolle Ergänzung sein.

Nimmst du regelmäßig Medikamente, würde ich dir ein wasserfestes Döschen ans Herz legen. Ein kleiner Vorrat unterwegs wird sich bereits am Arbeitsplatz als nützlich erweisen, wenn du die Einnahme zu Hause doch mal vergessen hast.

Für Wasseraufbereitungstabletten sehe ich den Sinn nicht unbedingt im EDC, sie sind aber klein und schnell versteckt. Warum also nicht? Bitte denke aber daran, wenn du Tabletten oder andere wasserlösliche Dinge mitnimmst, sie in jedem Fall Wasserfest einzupacken. Der Umwelt und deiner Ausrüstung zuliebe. Und pass auf, dass du verschiedene Substanzen nicht verwechselst! Trenne verschiedene Stoffe in unterschiedliche Gefäße und markiere sie sorgfältig.

Wenn wir beim Thema Medikamente sind, können Aktivkohletabletten eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie sind auch in größeren Mengen ungiftig. Im Gegenteil, sie helfen dir bei leichten Vergiftungen und Durchfall. Vergiss nicht die Packungsbeilage mitzuführen, denn es ist sehr wichtig, sich an die Anweisungen zu halten!

Streichhölzer können im Übrigen das Feuerzeug ergänzen. Ein Feuerzeug kann auch kaputt gehen. Im Falle von Benzinfeuerzeugen verflüchtigt sich das Benzin auch relativ schnell von selbst. Mit ein paar Streichhölzern zusätzlich im Gepäck, bist du auf diese Eventualitäten vorbereitet.

Noch ein Hinweis: Egal was du mitnehmen wirst, bitte informiere dich über dessen Gebrauch. Ich bin mir sicher, du wirst wissen, wie mit Strichhölzern umzugehen ist. Ein Lagerfeuer kann aber schnell eine Gefahr darstellen, genauso wie ein schlecht bedientes Navigationsgerät, was dich an den Abgrund führt. Außerdem macht es Spaß, neue Dinge zu lernen. Bleib also neugierig.

PS. Was ich jetzt mit dem teuren Zeug von Tasmanian Tiger mache? Die Tasche bewahrt das ganze Kleinzeug in meinem Rucksack auf. Damit hat sie auch weiterhin einen Sinn für mich! Und wenn ich doch mal ohne Rucksack einen Fuß aus der Türe setze, habe ich die Möglichkeit, meine Ausrüstung unkompliziert mitzunehmen. Der Gürtel dagegen, der hängt den Großteil der Zeit ungenutzt im Kleiderschrank. Vielleicht ergibt sich aber in der Zukunft noch die Gelegenheit, ihn öfter zu nutzen.

In Kategorie: Urban Survival

Über den Autor

Veröffentlicht von

kitsunesensei ist von Beruf Softwareentwickler und lebt seit 2017 in Hamburg. Seine Beiträge umfassen vor allem die weniger technischen Interessen wie Survival und Prepping, Trekking und Waffen. In der Kategorie Politik macht er sich vor allem Luft über das, was ihn derzeit stört.

Den Beiträgen folgen und Mitdiskutieren kannst du auch in deinem Mastodon und Misskey Server. Such einfach nach @kitsunesensei@kitsu.press.